Als bei den betagten Eltern das Alter dann wirklich zuschlug, als also nach den vielen noch erfüllten Jahren im Ruhestand auf einmal nicht mehr die Rentenkasse mit ihren regelmäßigen kleinen Anpassungen an die Teuerung das zentrale Thema war, sondern die Pflegekasse und der Medizinische Dienst und die Einstufung in die Pflegegrade und das Ende der sogenannten Häuslichkeit in der nach all den Jahrzehnten vergleichsweise günstigen Mietwohnung sowie die Kosten in den Einrichtungen, die sich manchmal vornehm Residenz nennen und manchmal auch nur Heim, aber immer, immer, immer selbst nach Abzug der Kassensätze noch mehr Zuzahlungen erfordern, als durch alle Renten plus Zusatzrenten reinkommt: Da hatte das selbst bereits in seinen mittleren Jahren befindliche Kind, das sich um all das kümmern durfte, einmal eine verblüffende Unterredung mit einer Seniorenberaterin der Diakonie, die bei diesen Dingen kompetent und hilfreich war.
Sie erklärte, wer am Ende für die immensen Kosten aufkommen müsse, wenn das Ersparte nun mal aufgebraucht sei. Und dass der Begriff Schonvermögen nicht daher rührt, dass 10 000 Euro in dem Fall schon als Vermögen gelten. Sondern dass das alles ist, was manchen Angehörigen im Ernstfall für die eigene Vorsorge gelassen wird. Und dass mittlerweile fast schon im Normalfall trotzdem das Sozialamt einspringen müsse. „Also die Allgemeinheit. Also auch wir beide“, fügte sie fast frohgemut an: „Nur, wenn wir mal in dem Alter sind, wird nichts mehr übrig sein. Für uns muss sich Vater Staat dann was anderes einfallen lassen.“
„Woran denken Sie? Rentenbeginn mit 80?“
„Wird nicht reichen.“
„90?“
„Eher so an eine blaue Pille, die man, wenn es Zeit ist, per Post bekommt.“ Continue reading