Sieht eine Frau von der Brust aufwärts so aus, dass sie für das gehalten wird, was bei einem Mann unterhalb der Leiste hängt: Klingt nach einem Witz aus den oder über die Gender Studies. Ist aber einer der saftigsten Skandale der Kunstgeschichte. Es ist ein bisschen umstritten, ob es nun Matisse oder Picasso war, der im Salon des Indépendants 1920 auf Constantin Brancusis Porträtbüste der „Princess X“ zeigte und laut ausrief, dass man hier unzweifelhaft etwas vor sich habe, das in der Überlieferung vornehm als Phallus bezeichnet wird.
Unumstritten sind dafür die Folgen, die das für Brancusi hatte, der seine Skulptur gleich wieder abräumen durfte, um kein Politikum draus werden zu lassen. Denn ein Minister hatte sich angekündigt, um genau das zu machen, was Wolfram Weimer bei der Leipziger Buchmesse nicht tun wollte, nämlich einen Rundgang zur Eröffnung. Einen Minister aber, so wurde Brancusi beschieden, könne man unmöglich „an einem Paar Hoden“ vorbeiführen. Continue reading